Jugenden: gesehen, interpretiert, widersprechen?!

Shownotes

„Die Jugend“ ist keine einheitliche Gruppe. Sie kann vielmehr als gesellschaftlicher Spiegel verstanden werden. Wer auf Jugend blickt, sieht auch sich selbst – mit eigenen Werten, Ängsten und Vorstellungen. Umso wichtiger ist die Frage, aus wessen Perspektive sprechen wir? Die Folge nimmt Jugend aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick und lädt dazu ein, Darstellungen, Stimmen und mögliche Konflikte zu erkunden.

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00:00:20: So klingen Rufe bei aktuellen Demonstrationen, vor allem der Fridays for Future Bewegung, an denen viele junge Menschen teilnehmen, auf vielfältige Konflikte aufmerksam machen und versuchen sichtbar zu sein.

00:00:32: Wenn wir über junge Menschen oder die Jugend sprechen, meinen wir selten nur das biologische Alter.

00:00:38: FEMA ist Jugend ein Projektionsraum für Hoffnungen, Ängste, Ideale und Kritik.

00:00:45: Aber je nachdem wer hinschaut, sieht Jugend ganz unterschiedlich.

00:00:55: Zankapfel.

00:00:56: Konflikte kurz erklärt.

00:01:01: Herzlich willkommen zur neuen Folge unseres Podcast Zankapfel.

00:01:04: Konflikte kurz erklärt.

00:01:06: Dem Podcast, in dem wir Konflikte aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen und nachfragen, wo es umbequem wird.

00:01:12: Ich bin Nico Neutermeyer und arbeite zum Themenfeld der Diskriminierungskritik sowie zur Perspektiven und Partizipation junger Menschen.

00:01:19: Und damit sind wir direkt beim Thema der heutigen Folge, das Konfliktfeld Jugend.

00:01:24: Was bedeutet Jugend für dich?

00:01:26: Ist es eher ein Zustand, eine Personengruppe oder gar die Zukunft?

00:01:37: Die Jugend von heute wird gern gesagt und dann folgt meistens leider etwas Negatives, wie ist faul?

00:01:44: Will nicht arbeiten, hat kein Respekt mehr.

00:01:47: Dabei geht oft verloren, dass es nicht die Jugend gibt und die Lebenswelten junger Menschen super unterschiedlich sind.

00:01:56: Perspektiven In den Medien schwankt das Bild von jungen Menschen oft zwischen zwei Extremen.

00:02:01: Auf der einen Seite sind sie die digitale avant-garde, die Generation, die divers, kreativ, vernetzt, weltoffen, klimaaktiv ist.

00:02:10: Das beschreiben Artikelüberschriften wie Gen Z löst ein Beben aus, Generation Z im Job anspruchsvollenwechselwillig oder Gen Alpha zeigt wo es langgeht.

00:02:20: Auf der anderen Seite heißt es oft schnell, Generation TikTok, unpolitisch, depressiv, abhängig vom Handy.

00:02:27: Das Schlagwort Generation wird dabei beständig benutzt.

00:02:31: Generation Z, Generation Krise, Generation Greta, Generation Schneeflocke.

00:02:36: Je nach Stimmungs- und Meinungsbild.

00:02:38: Medien neigen dazu, Jugendliche entweder zu feiern oder zu problematisieren.

00:02:43: Dazwischen ist wenig Raum.

00:02:45: Und oft wird über sie gesprochen, selten mit ihnen.

00:02:48: Diese Beobachtungen machen auch Studierende der Universität Bielefeld, die wir im Spätsommer auf dem Campus dazu befragten.

00:02:53: Ich glaube, der Trend ist weiterhin, dass junge Menschen nicht so wirklich ernst genommen werden und gerade so bestimmte Dinge wie Kommunikationsstile als einfach nur Sensibilität wahrgenommen werden.

00:03:06: Junge Menschen würden ja zu viel über ihre Gefühle sprechen und zu viel kommunizieren.

00:03:10: Sie werden so verweichlicht.

00:03:12: Weiterhin ist es auch, dass junge Menschen ja nicht arbeiten wollen würden, weil man eben mehr auf so eine Work-Life-Balance und andere Prioritäten setzt, als zum Beispiel noch Leute vor fünfzig Jahren das gemacht hätten.

00:03:23: Um ein besseres und realistischeres Bild von jungen Menschen zu bekommen, beschäftigt sich die Wissenschaft schon länger mit ihnen.

00:03:30: In der Soziologie werden beispielsweise Fragen nach sozialen Milieus gestellt, die jugendliche Prägen, dabei sind Fragen von Gruppenzugehörigkeiten und in sozialen Folgen zentral.

00:03:39: Aber auch Bildungswege und Lebensentwürfe spielen eine wichtige Rolle.

00:03:43: Die Psychologie schaut auf Entwicklungsprozesse.

00:03:46: Wer bin ich?

00:03:47: Wo gehöre ich hin?

00:03:49: Wie gehe ich mit Emotionen und Konflikten um?

00:03:52: Und die Pädagogik fragt klassisch, wie können Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützt werden?

00:03:56: Wie gelingt Bildung unter sich wandelnden Bedingungen?

00:04:00: In den Politik- und Sozialwissenschaften wird genau hingeschaut, was junge Menschen bewegt, welche Themen wichtig sind und wie sie sich engagieren.

00:04:07: Sprache, Mode und Musik gelten dabei oft als Spiegel ihrer Haltung, ihrer Werte und ihres Alltags.

00:04:14: Um den Eindruck zu vermeiden, dass es die eine Jugend gibt, sprechen Forschende lieber von Jugendinnen, also im Plural, sowie von unterschiedlichen Lebenswelten, Sichtweisen und Ausdrucksformen.

00:04:26: Und immer häufiger wird nicht mehr nur über junge Menschen geforscht, sondern mit ihnen, gemeinsam auf Augenhöhe, um ihre Perspektiven wirklich sichtbar zu machen.

00:04:35: Forschende binden junge Menschen mehr und mehr aktiv ein, etwa bei der Analyse und Interpretation von Interviews oder bei der Aufarbeitung von Ergebnissen oder der Weitergabe von Wissen.

00:04:45: Und was sagen junge Menschen über sich selbst?

00:04:47: In Studien und Interviews beschreiben sich U-Dreißig-Personen oft als gestresst, gefordert, aber auch engagiert und verantwortungsbewusst.

00:04:56: Sie verweisen auf konkrete Probleme wie wachsenden Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

00:05:02: Wo Bildung endet, beginnt Extremismus, sagt beispielsweise die Bundeschülerkonferenz und verweist auf die Zunahme rechtsextremer Vorfälle an Schulen.

00:05:10: Junge Menschen spüren den Druck, alles richtig machen zu müssen, ob in der Schule, in der Zukunft, beim Aussehen oder der politischen Haltung.

00:05:18: Gleichzeitig wollen viele mitgestalten, in Fridays for Future, in Jugendräten, in den sogenannten sozialen Medien.

00:05:24: Sie erleben gleichzeitig oft nicht ernst genommen zu werden.

00:05:27: Viele kritisieren, dass sie zwar mitgemeint sind, aber nicht mitentscheiden können.

00:05:32: Ganz aktuell zeigt sich das am Beispiel der Diskussion über die Wiedereinführung einer Wehrpflicht.

00:05:37: Sie würde nahezu ausschließlich junge Menschen betreffen.

00:05:39: Entschieden wird darüber jedoch vermutlich allein im Bundestag und dort liegt das Durchschnittsalter bei über forty-seven Jahren.

00:05:46: Junge Menschen wünschen sich Sichtbarkeit auch für ihre Themen, jenseits von Klischees und Skandalisierung.

00:05:51: Viele ihre Anliegen sind Themen, die letztlich die gesamte Gesellschaft, also uns alle, betreffen.

00:05:56: Ich finde, Umweltschutz geht viel zu viel unter dem Moment.

00:06:00: Und auch die Rente, also welche Perspektive haben wir in der Hinsicht noch.

00:06:04: Was mich immer richtig aufregt, ist, wenn wir als faule Generationen irgendwie betitelt werden, dass wir nicht arbeiten wollen, dass wir keinen Bock haben.

00:06:13: Ich finde es schön, wenn die Politik heterogene aufgestellt wäre, verschiedene Menschen über verschiedene Lebensrealitäten sprechen könnten und damit auch diese Menschen.

00:06:21: eben repräsentieren könnten, die eben die gleiche Lebensrealität haben.

00:06:26: Und jetzt?

00:06:28: Die Jugend ist keine einheitliche Gruppe, sondern kann als ein gesellschaftlicher Spiegel oder Abbild beschrieben werden.

00:06:34: Wer sie anschaut, sieht auch sich selbst mit eigenen Werten, Ängsten und Vorstellungen.

00:06:40: Deshalb lohnt es sich immer zu fragen, aus wessen Blickwinkel reden wir gerade?

00:06:44: Und wie können wir junge Menschen nicht nur beobachten, sondern wirklich beteiligen?

00:06:48: Das fördert auch unser demokratisches Zusammenleben.

00:06:50: Denn Jugend ist nicht die Zukunft.

00:06:52: Sie ist ganz konkret Teil der Gegenwart.

00:06:56: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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