Jugenden: gesehen, interpretiert, widersprechen?!
Shownotes
Skript: Nico Noltemeyer-Gautier; ConflictA/ Uni Bielefeld
Moderation: Nico Noltemeyer-Gautier; ConflictA/ Uni Bielefeld
Perspektiven: Studierende der Universität Bielefeld
Audiomaterial Intro: https://youtu.be/fSzOokdHzvQ?si=m_FGFpbUqhj9qls6 (FFF Berlin, Abschlusskundgebung 20.09.2025)
Musik von www.musicfox.com. Unterstützung in der Konzeption & Produktion durch das Team Medienpraxis des BITS Space der Universität Bielefeld.
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00:00:20: So klingen Rufe bei aktuellen Demonstrationen, vor allem der Fridays for Future Bewegung, an denen viele junge Menschen teilnehmen, auf vielfältige Konflikte aufmerksam machen und versuchen sichtbar zu sein.
00:00:32: Wenn wir über junge Menschen oder die Jugend sprechen, meinen wir selten nur das biologische Alter.
00:00:38: FEMA ist Jugend ein Projektionsraum für Hoffnungen, Ängste, Ideale und Kritik.
00:00:45: Aber je nachdem wer hinschaut, sieht Jugend ganz unterschiedlich.
00:00:55: Zankapfel.
00:00:56: Konflikte kurz erklärt.
00:01:01: Herzlich willkommen zur neuen Folge unseres Podcast Zankapfel.
00:01:04: Konflikte kurz erklärt.
00:01:06: Dem Podcast, in dem wir Konflikte aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen und nachfragen, wo es umbequem wird.
00:01:12: Ich bin Nico Neutermeyer und arbeite zum Themenfeld der Diskriminierungskritik sowie zur Perspektiven und Partizipation junger Menschen.
00:01:19: Und damit sind wir direkt beim Thema der heutigen Folge, das Konfliktfeld Jugend.
00:01:24: Was bedeutet Jugend für dich?
00:01:26: Ist es eher ein Zustand, eine Personengruppe oder gar die Zukunft?
00:01:37: Die Jugend von heute wird gern gesagt und dann folgt meistens leider etwas Negatives, wie ist faul?
00:01:44: Will nicht arbeiten, hat kein Respekt mehr.
00:01:47: Dabei geht oft verloren, dass es nicht die Jugend gibt und die Lebenswelten junger Menschen super unterschiedlich sind.
00:01:56: Perspektiven In den Medien schwankt das Bild von jungen Menschen oft zwischen zwei Extremen.
00:02:01: Auf der einen Seite sind sie die digitale avant-garde, die Generation, die divers, kreativ, vernetzt, weltoffen, klimaaktiv ist.
00:02:10: Das beschreiben Artikelüberschriften wie Gen Z löst ein Beben aus, Generation Z im Job anspruchsvollenwechselwillig oder Gen Alpha zeigt wo es langgeht.
00:02:20: Auf der anderen Seite heißt es oft schnell, Generation TikTok, unpolitisch, depressiv, abhängig vom Handy.
00:02:27: Das Schlagwort Generation wird dabei beständig benutzt.
00:02:31: Generation Z, Generation Krise, Generation Greta, Generation Schneeflocke.
00:02:36: Je nach Stimmungs- und Meinungsbild.
00:02:38: Medien neigen dazu, Jugendliche entweder zu feiern oder zu problematisieren.
00:02:43: Dazwischen ist wenig Raum.
00:02:45: Und oft wird über sie gesprochen, selten mit ihnen.
00:02:48: Diese Beobachtungen machen auch Studierende der Universität Bielefeld, die wir im Spätsommer auf dem Campus dazu befragten.
00:02:53: Ich glaube, der Trend ist weiterhin, dass junge Menschen nicht so wirklich ernst genommen werden und gerade so bestimmte Dinge wie Kommunikationsstile als einfach nur Sensibilität wahrgenommen werden.
00:03:06: Junge Menschen würden ja zu viel über ihre Gefühle sprechen und zu viel kommunizieren.
00:03:10: Sie werden so verweichlicht.
00:03:12: Weiterhin ist es auch, dass junge Menschen ja nicht arbeiten wollen würden, weil man eben mehr auf so eine Work-Life-Balance und andere Prioritäten setzt, als zum Beispiel noch Leute vor fünfzig Jahren das gemacht hätten.
00:03:23: Um ein besseres und realistischeres Bild von jungen Menschen zu bekommen, beschäftigt sich die Wissenschaft schon länger mit ihnen.
00:03:30: In der Soziologie werden beispielsweise Fragen nach sozialen Milieus gestellt, die jugendliche Prägen, dabei sind Fragen von Gruppenzugehörigkeiten und in sozialen Folgen zentral.
00:03:39: Aber auch Bildungswege und Lebensentwürfe spielen eine wichtige Rolle.
00:03:43: Die Psychologie schaut auf Entwicklungsprozesse.
00:03:46: Wer bin ich?
00:03:47: Wo gehöre ich hin?
00:03:49: Wie gehe ich mit Emotionen und Konflikten um?
00:03:52: Und die Pädagogik fragt klassisch, wie können Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützt werden?
00:03:56: Wie gelingt Bildung unter sich wandelnden Bedingungen?
00:04:00: In den Politik- und Sozialwissenschaften wird genau hingeschaut, was junge Menschen bewegt, welche Themen wichtig sind und wie sie sich engagieren.
00:04:07: Sprache, Mode und Musik gelten dabei oft als Spiegel ihrer Haltung, ihrer Werte und ihres Alltags.
00:04:14: Um den Eindruck zu vermeiden, dass es die eine Jugend gibt, sprechen Forschende lieber von Jugendinnen, also im Plural, sowie von unterschiedlichen Lebenswelten, Sichtweisen und Ausdrucksformen.
00:04:26: Und immer häufiger wird nicht mehr nur über junge Menschen geforscht, sondern mit ihnen, gemeinsam auf Augenhöhe, um ihre Perspektiven wirklich sichtbar zu machen.
00:04:35: Forschende binden junge Menschen mehr und mehr aktiv ein, etwa bei der Analyse und Interpretation von Interviews oder bei der Aufarbeitung von Ergebnissen oder der Weitergabe von Wissen.
00:04:45: Und was sagen junge Menschen über sich selbst?
00:04:47: In Studien und Interviews beschreiben sich U-Dreißig-Personen oft als gestresst, gefordert, aber auch engagiert und verantwortungsbewusst.
00:04:56: Sie verweisen auf konkrete Probleme wie wachsenden Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
00:05:02: Wo Bildung endet, beginnt Extremismus, sagt beispielsweise die Bundeschülerkonferenz und verweist auf die Zunahme rechtsextremer Vorfälle an Schulen.
00:05:10: Junge Menschen spüren den Druck, alles richtig machen zu müssen, ob in der Schule, in der Zukunft, beim Aussehen oder der politischen Haltung.
00:05:18: Gleichzeitig wollen viele mitgestalten, in Fridays for Future, in Jugendräten, in den sogenannten sozialen Medien.
00:05:24: Sie erleben gleichzeitig oft nicht ernst genommen zu werden.
00:05:27: Viele kritisieren, dass sie zwar mitgemeint sind, aber nicht mitentscheiden können.
00:05:32: Ganz aktuell zeigt sich das am Beispiel der Diskussion über die Wiedereinführung einer Wehrpflicht.
00:05:37: Sie würde nahezu ausschließlich junge Menschen betreffen.
00:05:39: Entschieden wird darüber jedoch vermutlich allein im Bundestag und dort liegt das Durchschnittsalter bei über forty-seven Jahren.
00:05:46: Junge Menschen wünschen sich Sichtbarkeit auch für ihre Themen, jenseits von Klischees und Skandalisierung.
00:05:51: Viele ihre Anliegen sind Themen, die letztlich die gesamte Gesellschaft, also uns alle, betreffen.
00:05:56: Ich finde, Umweltschutz geht viel zu viel unter dem Moment.
00:06:00: Und auch die Rente, also welche Perspektive haben wir in der Hinsicht noch.
00:06:04: Was mich immer richtig aufregt, ist, wenn wir als faule Generationen irgendwie betitelt werden, dass wir nicht arbeiten wollen, dass wir keinen Bock haben.
00:06:13: Ich finde es schön, wenn die Politik heterogene aufgestellt wäre, verschiedene Menschen über verschiedene Lebensrealitäten sprechen könnten und damit auch diese Menschen.
00:06:21: eben repräsentieren könnten, die eben die gleiche Lebensrealität haben.
00:06:26: Und jetzt?
00:06:28: Die Jugend ist keine einheitliche Gruppe, sondern kann als ein gesellschaftlicher Spiegel oder Abbild beschrieben werden.
00:06:34: Wer sie anschaut, sieht auch sich selbst mit eigenen Werten, Ängsten und Vorstellungen.
00:06:40: Deshalb lohnt es sich immer zu fragen, aus wessen Blickwinkel reden wir gerade?
00:06:44: Und wie können wir junge Menschen nicht nur beobachten, sondern wirklich beteiligen?
00:06:48: Das fördert auch unser demokratisches Zusammenleben.
00:06:50: Denn Jugend ist nicht die Zukunft.
00:06:52: Sie ist ganz konkret Teil der Gegenwart.
00:06:56: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
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