Konflikte als Chance?

Shownotes

Das tschechische Theater-Kollektiv „thYle“ und ihr Stück „(Ne)boj“, das Teil unserer Folge war: https://tyhle.cz/en/neboj/ Weiterführende Literatur zu Konflikttransformation und einem positiven Friedensverständnis: Lederach, J. P. (2003). The Little Book of Conflict Transformation. Intercourse, PA: Good Books. Galtung, J. (1969). Violence, Peace and Peace Research. Journal of Peace Research, 6(3), 167–191. https://doi.org/10.1177/002234336900600301 Skript: Lilly Roll-Naumann und Franka Büssing, ConflictA/Universität Bielefeld Moderation: Franka Büssing, ConflictA/Universität Bielefeld Perspektiven: Lilly Roll-Naumann, ConflictA/Universität Bielefeld, Lukáš Karásek und Florent Golfier-Brechmann, thYle-Kollektiv Intro: Studierende der Universität Bielefeld Musik von www.musicfox.com. Unterstützung in der Konzeption & Produktion durch das Team Medienpraxis des BITS Space der Universität Bielefeld.

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00:00:00: Gewalt

00:00:01: Waffen

00:00:02: Fehlkommunikation

00:00:03: Erleichterung Stress

00:00:05: Hass Krieg

00:00:07: Intoleranz Diese Begriffe verbinden Menschen, die wir auf dem Campus der Universität Bielefeld befragt haben mit Konflikten.

00:00:15: Häufig sind die Assoziationen eher negativ.

00:00:18: Doch können Konflikte nicht auch positive Seiten haben?

00:00:21: An den Konfliktern betrachten wir Konflkte aus verschiedenen Perspektiven.

00:00:25: Eine davon ist die der Konflekttransformation.

00:00:28: Darin gilt Konflikt zunächst weder als positiv noch als negativ, sondern schlichtweg neutral.

00:00:35: Das eröffnet eine andere Sichtweise – nämlich die auf das Potenzial von Konflikten, ein Potenzials für Veränderungen.

00:00:54: Herzlich willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts Zankapfel!

00:00:59: dem Podcast, in dem wir Konflikte aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick nehmen und nachfragen wo es unbequem wird.

00:01:06: Mein Name

00:01:07: ist

00:01:07: Franka Bissing.

00:01:09: ich arbeite an der Conflikter der Konfliktakademie des Instituts für interdisziplinäre konflikt- und Gewaltforschung Der Uni Bielefeld und begleite euch durch diese Folge.

00:01:19: Wir haben im Jahr zwanzig fünfundzwanzig in Kooperation mit dem tschechischen Theater Kollektiv Tüchl in Prag einen intaktiven Workshop zum Thema Konflikte als Chance durchgeführt.

00:01:30: Die Idee dahinter, den Gästinnen des Performance-Stücks die Möglichkeit geben, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema mit ihrem Eigenumverhältnis zu Konflikt verbinden.

00:01:41: Und genau dazu möchten wir auch euch in dieser Folge einladen über euer eigenes Verhältnis zur Konflikten nachzudenken und darüber zu sprechen, inwiefern Konflkte vielleicht auch als Chance verstanden werden können!

00:01:53: Also wie ist eure Haltung zu konfliktern?

00:01:55: Habt ihr eher Angst oder Sorge davor?

00:01:58: Verbindet ihr eher Negatives mit Konflikten?

00:02:01: Oder gibt es vielleicht auch Konflikte, die ihr wichtig findet und denen ihr etwas Positives abgewinnen könnt.

00:02:13: Bei unserem Workshop baten wir die Theater-Gestinnen sich zu verschiedenen Aussagen über Konflichte zu positionieren.

00:02:19: Die Ergebnisse zeigten – die meisten Teilnehmenden betrachteten Konflkte eher mit Sorge und waren mit ihrem eigenen Umgang mit Konfkten unzufrieden.

00:02:29: Gleichzeitig bestand ein gemeinsames Verständnis.

00:02:32: Konflikte gehören zum Leben, zu Beziehungen und auch zu einer friedlichen Gesellschaft – sie sind nicht zangsläufig etwas Negatives.

00:02:41: Einige Konflikte wurden sogar als wünschenswert oder notwendig angesehen.

00:02:45: Um besser zu verstehen was Konflkte für die Teilnehmenden bedeuten haben wir gemeinsam Assoziationen gesammelt.

00:02:52: Dabei zeigte sich ähnlich wie bei unserer Befragung auf dem Campus Viele verbinden Konflikte zuerst mit Problemen, Zusammenstößen, Angst oder sogar Gewalt.

00:03:02: Gleichzeitig kamen aber auch positive Aspekte zur Sprache.

00:03:06: Konflikte können helfen der anderen Seite zuzuhören oder die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzunehmen.

00:03:13: Und einige Teilnehmende sahen in Konfligten sogar Hoffnung!

00:03:17: Wir stellen fest, Konflikle sind kein einfaches Thema.

00:03:20: Sie wecken gleichzeitig ganz unterschiedliche und auch oft widersprüchliche Assoziationen, Emotionen und Gedanken.

00:03:28: Diese Ambivalenz wollen wir Raum geben – denn eines sind Konflikte sicher nicht!

00:03:32: Einfach schwarz oder weiß.

00:03:38: Das Theater-Kollektiv Tüchl verarbeitet in dem Stück Neboy Conflikt auf der Bühne.

00:03:44: Zwei Darsteller erkunden dabei durch Bewegung wie Konflikt in verschiedenen Situationen aussehen kann.

00:03:51: Sie zeigen einerseits Herausforderungen, die Konflikte mit sich bringen und stellen andererseits Fragen danach wie konfliktegewaltfrei geführt werden können.

00:04:00: Die Gründe des Kollektivs Floran Golfier-Brechmann und Lukas Karasek performten das Stück.

00:04:07: Sie haben sich in der Vorbereitung eingehen mit der Rolle und Funktion von Konflikten in der Gesellschaft und zwischen Individuen auseinandergesetzt.

00:04:17: Wir betrachten Konflikte nicht unbedingt als etwas Negatives.

00:04:20: Vielmehr sehen wir sie als eine Gelegenheit, uns mit Themen auseinanderzusetzen die uns als Individuen beschäftigen zum Beispiel mit dem Bedürfnis unsere Vergangenheit aufzuarbeiten.

00:04:30: ein Konflikt kann eine Chance sein ein Thema zu öffnen und zu klären.

00:04:33: Mit anderen Worten statt auf Aggression und Konfrontation zurückzugreifen Kann man einen Weg finden eine Situation zu lösen oder?

00:04:43: Es ist ein Raum für unterschiedliche, auch unvereinbare Bedürfnisse.

00:04:47: In diesem Raum können sie nebeneinander bestehen und ihren Platz haben – es geht um das Thema Verletzlichkeit!

00:04:53: die Bereitschaft, Konflikte einzugehen und wie ein Konflikt entsteht.

00:04:58: Außerdem sind wir zwei Männer – daher nähern wir uns dem Thema von einer kritischen Perspektive der Männlichkeit.

00:05:03: Fragen nach dem Ausmaß in dem wir bereit sind, uns einander zu öffnen unsere eigenen Gefühle anzunehmen unserer eigene Wut zu

00:05:11: akzeptieren.".

00:05:15: Die Performer verhandeln Konflik als ein unvermeidbares und allgegenwärtiges Phänomen mit viel Tiefe und Potenzial.

00:05:22: Sie verstehen Konflikt als einen Raum für Aushandlung und Begegnung.

00:05:27: Wir können Konflikte also nicht nur als Bedrohungen sehen, sondern auch als normalen Teil menschlicher Beziehungen und des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

00:05:35: Unsere Einstellungen beeinflusst wie wir mit Konflikten umgehen – wenn wir sie jetzt bedrohigen wahrnehmen, neigen wir dazu, sie zu vermeiden oder uns zu wappnen!

00:05:45: Betrachten wir sie hingegen als normalen Bestandteil, können wir den Konflikt selbst unmögliche Wege seiner konstruktiven Bearbeitung offen erkunden.

00:05:54: Und genau darin steckt die Chance – eine Möglichkeit zur Veränderung, sei es im Verhältnis zwischen Menschen oder in den gesellschaftlichen Strukturen, Wenn wir uns von der negativen Alltagskonzentation von Konflikt lösen und konflikt als neutrale, allgegenwärtige soziale und gesellschaftliche Realität akzeptieren wird vor allem eins entscheidend – wie wir ihn austragen.

00:06:23: Ist die Austragung gewaltfrei also frei von körperlicher, verbaler, psychischer und struktureller Gewalt?

00:06:31: Meine Kollegin Lilly Rollnaumann beschäftigt sich an der Konflikter mit Formen der gewaltfreien Konflekttransformation.

00:06:38: Gewaltfreie Konflikttransformation basiert auf einem bestimmten Verständnis von Frieden.

00:06:43: Frieden ist hier kein Endzustand ohne Konflikte, sondern ein Prozess – etwas das wir immer wieder neu gestalten.

00:06:50: Wenn wir Gesellschaft als konfliktreich begreifen wird deshalb entscheidend wie wir mit Konflikten umgehen und wie sie austragen.

00:06:58: Der Ansatz der Konflekttransformation geht dabei weiter als klassisches Konflikkmanagement.

00:07:03: Es geht nicht darum, ein Konflikt möglichst schnell zu lösen.

00:07:06: Sondern darum tiefer liegende Ursachen in den Blick zu nehmen und Beziehungen, Wahrnehmungen und Strukturen zu verändern.

00:07:14: Konflikte werden dabei nicht als Störung gesehen sondern als mögliche Triebkräfte für Entwicklung und gesellschaftlichen Wandel.

00:07:20: So können langfristig nachhaltigere und gerechtere Beziehung entstehen Und die Beteiligten stärken gleichzeitig ihre Fähigkeit mit zukünftigen Konflikten umzugehen.

00:07:30: Doch wie kann das aussehen?

00:07:32: In Konflikten stehen sich oft festgefahrene und scheinbar unvereinbare Positionen gegenüber.

00:07:38: Wie können wir tiefer als diese schauen?

00:07:41: Hierbei kann das Modell der Konfliktziebe hilfreich sein, es unterscheidet drei Ebenen – Positionen, Interessen und Bedürfnisse.

00:07:50: Stellt euch vor!

00:07:51: Ihr trefft euch mit einer Freundin und sie kommt mal wieder zu spät.

00:07:55: Ihr sagt vielleicht, du kommst immer zu spät.

00:07:58: Das ist die Position – also das was im Konflikt zuerst sichtbar wird.

00:08:04: Dahinter kann aber ein Interesse stehen zum Beispiel der Wunsch die gemeinsame Zeit besser nutzen zu können und im Kern steckt vielleicht ein Bedürfnis nach Verlässlichkeit oder Wertschätzung.

00:08:15: Bedürfenisse sind oft unbewusst aber entscheidend.

00:08:19: wenn Du diese in Konflikten bei Deinem Gegenüber erkennst entstehen neue Handlungsspielräume weil sie auf viele verschiedene Arten erfüllt werden können.

00:08:28: Das Konfliktsiebelmodell zeigt, wenn wir im Konflikt eine Schicht tiefer schauen verstehen wie oft besser worum es eigentlich geht.

00:08:36: Auch in persönlichen Konfligten kann es deshalb helfen Fragen zu stellen wie Was ist die hier besonders wichtig oder was brauchst du?

00:08:44: In dieser Situation So entstehen oft Lösungen die für beide Seiten funktionieren.

00:08:53: Konflikte Verbindet ihr weiterhin eher negative Aspekte damit oder wie denkt ihr am Ende unserer Episode darüber?

00:09:01: Wie wir auf Konflikte schauen, hängt stark von unseren persönlichen Erfahrungen in Vergangenheit und Gegenwart ab.

00:09:08: Gleichzeitig spielen auch wir selbst in Konflikten eine aktive Rolle!

00:09:12: Wenn wir anfangen unser eigenes Verhalten zu reflektieren kann sich der Konflikt verändern – vielleicht entsteht daraus tatsächlich eine Chance.

00:09:21: Wenn Ihr nach dieser Episode Anders über eure eigenen Konflikte denkt, schreibt uns gern.

00:09:27: Kontaktdetails findet ihr auf unserer Website.

00:09:30: Wir freuen uns von euch zu hören!

00:09:32: Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten

00:09:40: Mal!

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